Donnerstag, 14. April 2011

Wieder Zurück


Ich fürchte mit meinem letzten Blog-Eintrag ist es so, wie mit der letzten Folge koreanischer Seifenopern: man erwartet noch ein letztes großes Feuerwerk an Action und Gefühlen, aber dann plätschert die Geschichte doch nur gemächlich aus. So war es jedenfalls mit der Serie „Secret Garden“, die ich regelmäßig verfolgte und dank englischer Untertitel im Internet auch verstand. Damit gehörte ich zur Quote von über 30%, die 2 mal die Woche einschalteten, um zu sehen, was die arme Stuntfrau und der superreiche Kaufhauserbe diesmal erleben würden. Ein Zaubertrank (eingeflößt von ihrem verstorbenen Vater [der als Feuerwehrmann dabei ums Leben gekommen war, als er den Kaufhauserben rettete ((lange weiß aber niemand, dass sie die Tochter seines Retters ist))]) sorgt dafür, dass die beiden Hauptcharaktere regelmäßig ihre Körper tauschen und sich so zwangsläufig näher kommen. Nachdem ich das Fremdschämen beim Gucken der ersten beiden Folgen überwunden hatte, konnte ich den Rest von „Secret Garden“ genauso begeistert verfolgen wie alle anderen um mich herum. Meine Klassenkameraden, meine Koreanisch-Lehrerin, meine koreanischen Freunde – Männer wie Frauen –, alle schienen aufgeregt mit anzusehen, wie er ihr den Milchschaum einfach so von der Oberlippe küsst. Einfach so!

Ich glaube, ich habe durch „Secret Garden“ viel über Korea gelernt. Die koreanische Gesellschaft scheint auf einem melancholischen Grundgefühl zu stehen, von dem aus sie sich nach Glück auszustrecken scheint. Der Weg, über den das Glück am ehesten erreicht werden kann ist Leistung. Mit Liebe, einer Priese Humor und klaren Regeln, wird dieser Pfad von der Familie bewacht.
Aus weniger blumiger Perspektive: Es gibt die Theorie, dass eine Gesellschaft grundsätzlich entweder auf Leistung oder auf Familie fokussiert ist. Deutschland ist ein gutes Beispiel für eine Leistungsgesellschaft. Mein Verdacht ist, dass Korea beides ist: Leistungsgesellschaft und gleichzeitig sehr auf die Familie ausgerichtet. Die Nachkriegsgeneration hat dadurch viel erreicht und schier Übermenschliches geleistet. Junge Leute setzt dieses Gefüge sehr unter Druck.
Allerdings glaube ich nicht, dass Deutsche pauschal gesehen so viel glücklicher sind. Das führt mich zu der Einsicht: Etwas anderes ist nicht unbedingt schlechter oder besser, sondern in erster Linie einfach nur anders.

„Secret Garden“ jedenfalls plätscherte bitter-süß aus. Das junge Paar lebte zwar reich und mit drei charmanten Kindern glücklich bis ans Lebensende. Die böse Schwiegermutter allerdings, akzeptierte die Liebe ihres wohlerzogenen und gebildeten Sohnes mit der armen Stuntfrau bis zuletzt nicht. Nur ihre Enkel durften sie besuchen kommen.

Die Zeit in Korea war für mich auch ein bisschen, wie ein verwunschener geheimer Garten, in den ich plötzlich geraten war. Zurück in Deutschland fühle ich mich manchmal so, als hätten sich in mir auch irgendwelche Körper vertauscht. In Seoul war ich immer der Deutsche. In Mainz bin ich vielleicht in mancher Hinsicht ein Koreaner. Jedenfalls zieht es mich wieder dorthin zurück. Die erste Packung Kimchi habe ich übers Internet schon bestellt.

Zu guter Letzt wieder ein Lied. Diesmal eins, das ich kurz vor meiner Abreise für Seoul geschrieben und schnell aufgenommen hatte. Im Nachhinein muss ich sagen, dass das Lied wirklich zu meinen Erfahrungen der letzten Monate passt und die Stadt - mit allem in ihr - treffend wieder spiegelt. „I can't hear you sing through the night black as coal, but I can hear you listening deep down in my Seoul.“


Text: T.Zwarg/J.Eicker, Musik: J.Eicker
Vielen Dank fürs Lesen.
Jonathan

Dienstag, 8. März 2011

Kontraste


Es ist vollbracht! Der zweite Sprachkurs ist abgeschlossen und bestanden. Mein Koreanisch lässt trotzdem immer noch sehr zu wünschen übrig. Für einen Smalltalk und zum Einkaufen reicht es. Für interessante Unterhaltungen, die den Themenhorizont von Essen und Wetter überschreiten, muss ich leider teilweise bis ganz aufs Englisch zurückgreifen.

Da mit dem Tag der Abschlusszeremonie mein Visum auslief, ich aber bis Mitte März in Korea bleiben wollte, bot sich die praktische Gelegenheit per Billigflug meine Freunde auf den Philippinen zu besuchen.
Die stickige Hitze, die chaotischen Straßen, die Palmen und die vielen, vielen Menschen waren plötzlich wieder so plastisch und lebendig, dass mich die Eindrücke aufs Neue überraschten. Trotzdem fühlte es sich an, als würde ich in meine Heimat zurückkehren und ich fragte mich, ob es wirklich schon 5 Jahre her sein konnte, dass ich dort meinen Zivildienst in einem Kinderheim absolviert hatte. Ich hatte eine wirklich gute Zeit dort und es war toll sehen zu können, was in der Zwischenzeit aus den Kindern geworden ist. Ich stelle fest: Viele haben sich echt super gemacht!

Nach knapp zwei Wochen Manila, Kinderheim und Trauminsel bin ich jetzt wieder zurück in Seoul. Wow: Von 33 Grad nach nur 3 Stunden Flug auf 2 Grad abgestürzt. Der krasse Kontrast zwischen Manila und Seoul macht mir die jeweiligen Eigenheiten der Städte noch besser bewusst. Von Deutschland aus gesehen ist beides halt irgendwo in Asien und scheint mehr oder weniger das Gleiche zu sein. Im direkten Vergleich kommt es mir allerdings vor, als hätte ich zwei unterschiedliche Planeten bereist.
Manila: Arm und Reich, keine Mittelschicht. Slums und Luxusmalls reihen sich abwechselnd dicht an dicht. Die Menschen sind aufgeschlossen und relaxt. Aber nicht jedem kann man trauen. Selbst wenn man sich bemüht auf Tagalog mit den Bewohnern Manilas zu sprechen, ist man nicht davor gefeit, übers Ohr gehauen zu werden.
Seoul: Apartmenthäuser, Apartmenthäuser, Apartmenthäuser, Cafés und Malls. Jeder hier scheint unglaublich beschäftigt zu sein. Viele Koreaner erzählen mir von sich aus, dass ihnen die gesellschaftlichen Erwartungen, sehr gebildet, sehr reich und sehr schön zu sein, einfach zu viel sind. Ausländer werden in der Regel höflich ignoriert; wenn man es allerdings irgendwie schafft, Aufmerksamkeit zu erlangen, wird einem meistens weitergeholfen. Wenn ich von öffentlichen Handyaufladestationen an der Uni und in U-Bahnstationen erzähle, an denen man tatsächlich Handys unbeaufsichtigt eingesteckt sieht, dann muss ich wohl nicht noch erwähnen, dass dieses Land sehr sicher ist. Mal abgesehen von der Außen- (oder Innen-?) politischen Situation.
Mitte der 60-er Jahre war in Korea der Krieg gerade vorbei und die Philippinen waren gerade erst ein eigenständiger Staat geworden. Beide Länder waren wirtschaftlich auf ähnlichem Level: unterstes Level. Ich frage mich, woran es liegt, dass Korea so kometenhaft aufsteigen konnte und auf den Philippinen immer noch viele Menschen verhungern oder in Slums dahin vegetieren.
Liegt es am Zusammenhalt und Fleiß der koreanischen Bürger, dass sie heute mit KIA, LG und Samsung weltbekannte Produkte auch in Deutschland erfolgreich verkaufen? Angesichts über 70.000 Straßenkindern alleine in Manila, fragt man sich tatsächlich, ob sich die philippinische Gesellschaft als Einheit versteht. 
Manche Koreaner fragen sich, ob ihr Reichtum den enormen Leistungsdruck und Stress rechtfertigt.
Und wo stehen die Deutschen? Die Schere zwischen Ober- und Unterschicht wird größer. Eine Gesellschaft die Hand Hand für ihr Wohl und zur Hilfe Schwächerer leben kann und will hat man seit Ende der Nachkriegszeit nicht mehr gesehen. Hoffnungsvoll beschwören manche das Hochgefühl zu Fußballweltmeisterschaften.

Aber zurück zu Korea, denn noch bin ich ja hier. Zu Weihnachten habe ich mir eine alte Spiegelreflexkamera zugelegt. Ich bin ganz begeistert von meiner Minolta, die nicht digital, sondern auf Film festhält, was mir hier ins Auge springt. Hier, ein paar Eindrücke:

Seoul steht dran...
Seoul ist drin,
Wolkenkratzer...
... und Apartmenthäuser.
Das Studentenwohnheim. Hier habe ich gewohnt.
An der Grenze zu Nordkorea.Voll mit Hoffnungen und Wünschen für alte Freunde.
Nordkorea aus der Ferne.
Blick auf die Brüder im Norden.
Die Insel Jeju. Das Hawaii Koreas.
Noch schöner als Jeju: Woo-do. Eine kleine Nachbarinsel.
Vulkangestein und Meer.
Sieht aus wie Sommer, war aber im Winter... frühlingshafter Winter.

Nach Bildern von Korea natürlich noch Musik aus Korea. Diesmal ein schön relaxtes Stück, wie man es oft in Cafes hört. Es ist wohl schon etwas älter, aber nach wie vor noch sehr beliebt. Die Band Rollercoaster gibt "Love Virus" zum Besten.



Viele Grüße... einmal schreibe ich noch.
Jonathan

Sonntag, 16. Januar 2011

Aus dem Leben eines 27-Jährigen


Mein Name ist Cho Suho. Wie jedes koreanische Kind, galt ich bei meiner Geburt bereits als einjährig. Weil in meinem Heimatland jeder mit Silvester auch ein Jahr älter wird, galt ich nach dem ersten Neujahrsfest bereits als zweijährig. Da ich 1985 zur Welt kam, bin ich heute 27.

Wäre ich ein Mädchen, hieße das auch, dass ich allmählich ernsthaft nach einem Ehemann Ausschau halten müsste. Als Mann habe ich noch ein paar Jahre länger Zeit. Aber spätestens als Single in den 30ern würden meine Freunde vermehrt damit beginnen, Sogeting für mich zu arrangieren, damit ich endlich eine Frau fürs Leben finde. Sogeting (kor. „sich vorstellen“ und die engl. „ing-Form“) übersetzen die Koreaner mit "Blind Date". So richtig blind ist es meist allerdings nicht. Oft kennt man sich schon vom Sehen oder hat wenigstens über soziale Plattformen im Internet Informationen und Fotos vom Date eingesehen. Da Freunde dachten, dass man gut zueinander passen könnte, haben sie, nachdem man eingewilligt hat, das Date arrangiert. Normalerweise geht man zusammen Essen, was der Mann ganz klassisch zahlt. Wenn man sich gut versteht, geht man direkt im Anschluss vielleicht noch einen Kaffee trinken, den manchmal auch die Frau ausgibt. Sogeting machen fast alle Koreaner mindestens ein paar mal. Als ich erwähnte, dass es das in Deutschland so direkt nicht gibt, wurde ich bestürzt gefragt: „Und wie lernt man dann Frauen kennen??“.
Im Highschoolalter macht man in der Regel die ersten Sogeting Erfahrungen. Oft startet man allerdings mit dem sog. „Meeting“ bevor man ans richtige Blind Date geht. „Meeting“ heißt 2-4 Jungs treffen sich mit 2-4 Mädels. Sie gehen zusammen was Essen, Trinken, in Vergnügungsparks oder sowas... an einem gewissen Zeitpunkt werde Paare ausgelost, die dann den Rest des Abends jeweils zu zweit verbringen.
Das alles ist noch Spaß. Aber wenn man älter ist, wird es ernst. Natürlich je nach Elternhaus, ich pauschalisiere und dramatisiere hier ein bisschen. Richtig ernst wird es jedenfalls, wenn sogar die Eltern beginnen Sogeting zu arrangieren. Ist der Druck auch ohne elterliche Hilfe groß genug, kann man sich an eine der vielen Partnervermittlungen wenden.

Eine besonders teure aber angeblich erfolgreiche Partnervermittlung wurde mir genauer erläutert. Die Werbung dafür sieht man an vielen U-Bahn Stationen. Wenn man sich anmeldet, muss man alle erdenklichen Informationen über sich preisgeben. Daraus wird dann eine Note errechnet. A+ ist perfekt, C- schon unterdurchschnittlich. Daraufhin werden dann Menschen mit gleicher Note und ähnlichen Interessen verkuppelt.
Damit ein Mann A erreichen kann muss er vor allem reich sein. Gute Bildung ist wichtig, danach folgt vielleicht das Elternhaus und dann das Aussehen.
Bei einer Frau ist das Aussehen das wichtigste Merkmal. Danach folgt das Elternhaus, dann wohl Bildung und Geld. Eine Frau über 30 kann auf keinen Fall mehr A sein; das gilt selbst für Fernsehstars, Supermodels und erfolgreiche Managerinnen.

Wie fest die Hochzeit im Leben der Ende 20-jährigen hier eingeplant ist, zeigt auch die Gottesdienstplanung der Gemeinde, die sich in der Nähe meiner Uni befindet. Es gibt einen Jugendgottesdienst für die Teenager und eine Andacht für 20 bis 24-jährige. Dann gibt es außerdem noch einen Gottesdienst der die Alterspanne „25 bis zur Hochzeit“ umfasst. „Hier bereiten wir uns auf das Leben in der Ehe vor“, wurde mir erklärt. Der englische Gottesdienst, den ich besuche, ist glücklicherweise nicht direkt an meine Lebensplanung gekoppelt.
Grundsätzlich ist diese Denkweise nicht ausgesprochen christlich, sondern wird von den meisten Koreanern getragen. Gesellschaftlicher Konsens ist auch das Ideal der jungfräulichen Braut.
Wer als Student in keiner eigenen Wohnung lebt und seiner Freundin körperlich trotzdem näher kommen möchte, hat dafür im Grunde nur eine einzige Möglichkeit: das sogenannte Motel. Motels gibt es wie Sand am Meer. Vor allem in den Studenten- und Partyvierteln. Ausgefranste Vorhänge ermöglichen schnelles Hinein- und Herausschlüpfen. Günstige Stundenpreise für die Zimmer kommen den Studenten sicherlich entgegen. Im Elternhaus oder Studentenwohnheim läuft jedenfalls nichts. Wie denn auch, wenn es getrennte Eingänge für Männer und Frauen gibt bzw. wenn man den Freund/die Freundin vor der Verlobung nicht mal zum Kaffee mit nach Hause nimmt.

Jetzt wie immer zur Musik und damit zu zwei noch ledigen und hier als sehr gutsehend geltenden Jungs. Da ich bis jetzt nur Girlsgroups oder Indibands vorgestellt hatte, sind nun G-Dragon und TOP dran. Eigentlich gehören sie zur in ganz Asien erfolgreichen Boygroup The Big Bang, sind zurzeit allerdings als Duo-Auskopplung unterwegs. TOP ist an meiner Uni eingeschrieben und erschien sogar einmal vor einem Hörsaal... um Autogramme zu geben.
Den Song, erzählte mir ein chinesischer Fan ganz begeistert, haben sie sogar selbst geschrieben. Aha, ein bisschen Bums, etwas Piep und Raps an denen Oli P. seine Freude hätte. Unterhaltsam ist es trotzdem und hier ziemlich angesagt.






Annyong, Suho

Samstag, 25. Dezember 2010

Bye Bye Badman. Hallo Christmas.


Es ist bitterkalt hier! Als ich im August landete, stand das tropische Wetter den Philippinen in nichts nach. Jetzt ist es auch bei Sonnenschein unter -15 Grad. Vielleicht kann mir ein Biologe mal erklären, wie die Vegetation diese Temperaturschwankungen hier mitmacht. Man gewöhnt sich an alles... das gilt wohl auch für Pflanzen.

Eine chinesische Freundin hatte mich gefragt, ob ich Interesse an einem Nebenjob hätte, es ginge darum Englisch zu unterrichten. (Nebenjob heißt auf Koreanisch übrigens Ar[e]beit[e]) Klar, warum nicht. Über ein bisschen mehr Geld freut man sich immer und vielleicht mache ich neue, interessante Erfahrungen.
Eine interessante Erfahrung machte ich tatsächlich. Geld bekam ich allerdings nicht dafür.

Zum verabredeten Termin betrat ich das Gebäude der Hagwon.
Hagwons sind private Lerninstitute. Im Gegensatz zu Deutschland nehmen in Korea nicht nur die schlechten Schüler Nachhilfe, sondern alle, die es zeitlich und finanziell irgendwie unterkriegen können. In so vielen Fächern, wie möglich. Das schöne daran ist, dass Nachhilfe hier gesellschaftlich sehr positiv aufgefasst wird: Nachhilfe heißt, da will jemand was dazulernen. Der negative Effekt ist, dass die Schüler nach der Schule direkt in die Hagwons laufen und erst spät Abends nach Hause kommen. Ich frage mich, ob Kinder hier wirkliche Freizeit haben. In einem Fernsehwerbespot sah ich, wie scheinbar Tabletten propagiert wurden, die das Kind im Unterricht länger aufnahmefähig machen sollen...
Nun war ich also in einer dieser Hagwons. Doch in welchem Stockwerk würde mein Vorstellungsgespräch für den Juno Club stattfinden? Ich versuche das Mädchen neben mir im Fahrstuhl auf Koreanisch zu fragen. Sie antwortet: „What exactly do you wanna know?“ Oh... englisch. Wo der Juno Club ist. „Der ist im 4. Stock. Du unterrichtest also Mathe.“ „Nein Englisch.“ „Hm... also ich unterrichte Englisch und muss in den 5. Stock.“ „Nein“, entgegne ich „ich werde zwar Englisch unterrichten, muss ganz sicher zum Juno Club in den 4. Stock.“

Angekommen im 4. Stock ist alles voller Formeln und Zahlen. Eine Frau begrüßt mich in perfektem Englisch und bittet mich freundlich in ihr Büro. Ich bin erleichtert. Die Englischlehrerin.
„Bei all dem Mathezeugs hier, hatte ich schon Angst bekommen.“, flachse ich.
Sie: „Hä, du wusstest nicht, dass das hier ein Matheinstitut ist?“
Ich: „Nein, ich soll ja auch Englisch unterrichten... oder?“.
Die Frau mustert mich eine Weile und sagt dann: „Autsch!“. Es stellt sich heraus, dass sie Mathelehrer suchen, die Mathe in englisch Unterrichten.
„Tut mir Leid, das kann ich nicht! Ich hab seid der Highschool nichts mehr mit Mathe zu tun gehabt.“
„Mochtest du Mathe?“
„Nein, überhaupt nicht. Und ich war auch nie besonders gut.“
Um zu illustrieren, wie schlecht ich bin, erzähle ich von meinem Nebenjob an einer deutschen Grundschule und dass ich dort bei der Hausaufgabenhilfe in Sachen Mathe immer wieder an meine Grenzen stoße.
„Aha“, sagt die Frau triumphierend, „du hast also schon mal Mathe unterrichtet! Grundschule ginge also.“
„Naja... nein, ich bin in Mathe sehr unsicher und würde mich total unwohl fühlen. Abgesehen davon kenne ich die englischen Fachbegriffe nicht. Ich bin echt ungeeignet. Oder seid ihr etwa so verzweifelt?“
„Ja!“
Inzwischen ist der Leiter Hagwon eingetroffen. „Oh, du siehst sehr gut aus.“, sagt er beim Reinkommen und bedauert es, dass er mich nicht persönlich im Juno Club empfangen konnte. Er hatte sich extra deutsche Begrüßungsfloskeln zurechtgelegt, die er mal in der Schule gelernt hatte.
Er stellt mir eine Textaufgabe, in der es um Multiplikation im 1000er Bereich geht, weil er sehen will, ob ich wirklich so schlecht bin, wie ich behaupte. Daraufhin rede ich mehr darüber, wie ich diese Aufgabe didaktisch aufbereiten würde. Den eigentlichen Lösungsweg reiße ich nur theoretisch an. Ich will mir nicht die Blöße geben am Kopfrechnen zu scheitern.
„Ja super, das geht doch. Wir denken, mit ein bisschen Vorbereitung kannst du auf jeden Fall unsere Grundschüler unterrichten.“
„Ne halt mal, wie macht man das denn nun? Man schreibt die große Zahle hier hin, setzt dahinter ein „x 3“ und zieht dann hier drunter so einen Strich? Und dann... äh so das mal dies und so? Jedenfalls habe ich das in Deutschland mal so gesehen...“
„Klar... ich denke das ist universell.“, erwidert die Frau lachend – irritiert lachend?
Sie wollen, dass ich 5 mal die Woche 4 Stunden arbeite, ich handle es auf 2 Nachmittage runter. Am gleichen Abend wollen sie mich anrufen. Sie riefen nicht an. Das war am 22. Dezember.

Am 24. beim Frühstück klingelt mein Handy. Yonghui! Auf der Suche nach einem Nebenjob stieß er auf eine Anfrage, die mich interessieren könnte. Eine Koreanerin sucht einen deutschen Muttersprachler, der sich acht mal mit ihr trifft um einfach ein bisschen Deutsch zu sprechen. Die Bezahlung ist nicht schlecht. Sofort sage ich zu und rufe kurz drauf den Juno Club an. Ich entschuldige mich und erkläre, dass ich mir wirklich nicht vorstellen kann Mathe zu unterrichten. Außerdem war mir inzwischen aufgefallen, dass ich visumstechnisch nur bin Mitte Februar arbeiten könnte. Nur dieses Argument bringt meinen Gesprächspartner zur Aufgabe. Sie hätten inzwischen viele Vorstellungsgespräche geführt und ich sei angeblich der Beste Bewerber gewesen. Na, da bin ich mir nicht so sicher... ich als Mathelehrer, das hätte mich schon auch gereizt! Aber der andere Job ist einfach passender, lukrativer und vor allem weniger Zeitaufwendig. Die Leute vom Junoclub wollen trotzdem mal mit mir was trinken gehen.

Heiligabend war richtig schön!! Weihnachten ist hier für die meisten einfach nur ein guter Grund für Party; und für Pärchen eine Art zweiter, romantischer Valentinstag. Ich war mit Freunden abends in Hongdae in einem Indie-Rock-Club. Das Ticket war mit kostenlosen Drinks und freiem Eintritt in anderen Clubs verbunden. So konnten wir beliebig zwischen Musik zum Tanzen und Livemusik wechseln. Im Indieclub kam fast jede halbe Stunde eine neue Band auf die Bühne. Das war sehr interessant und meistens überraschend gut.
Um drei Uhr sind wir in eins der vielen stylischen Cafes gegangen um gemütlich was Heißes zu trinken und ich habe kurz mit meiner Familie in Deutschlad geskyped, die gerade am Fonduessen waren. Das war trotz der guten Musik und dem netten Partyvolk das Beste am Abend.
Danach gings noch lecker Chicken essen und morgens war ich ich dann tatsächlich um 8 im Bett und habe prompt den Weihnachtsgottesdienst mit englischer Simultanübersetzung verschlafen. Naja, morgen ist ja auch noch Weihnachten.
Außerdem ist mir aufgefallen: Weil Weihnachten hier, jedenfalls für deutsches Empfinden, so wenig weihnachtlich ist, bin ich mehr denn je dazu aufgefordert mich wirklich mit der Weihnachtsbotschaft auseinanderzusetzen. Ich musste Weihnachten richtig aktiv suchen und war nicht durch den – sicherlich wunderbaren – Spirit of Christmas aus Glühwein und Lebkuchen abgelenkt. Gott wurde Mensch, damit wir ihn besser kennenlernen und weil er unser Freund und Retter sein will. Nicht, weil wir uns danach fühlen oder Weihnachten perfekt gestaltet haben. Sondern weil nichts perfekt ist, so vieles daneben geht und Gott uns trotzdem liebt.

Jetzt die Band, die ich gestern unter all den coolen Auftritten am besten fand: „Bye Bye Badman“. So cool wie The XX, so gefühlvoll wie Keane und sie hauen so rein wie Muse. Natürlich mit ganz eigenem Stil und einem unglaublichen Keyboarder, der mit seinen Synths die derbsten Soli hinlegt. Wer ein bisschen Zeit hat, kann hier gleich 2 Lieder hören (das 2. etwas seichtere Stück fängt nach ca. 4 Minuten an).



Liebe Grüße,
Jonathan



Freitag, 10. Dezember 2010

so siehts aus [update]

Touristen- und Kleinkunstviertel Insadong. Hat ganz anderes Flair als der Rest der Stadt...
... grün, individuell und trotzdem Seoul.
Blick auf den Dankook-Campus. Im Hintergrund ein Meer von Apartmenthäusern... ich glaube die machen 80% der Stadt aus. Irgendwo müssen die 20 Mio. ja leben.
The Gangnam! Das Businessviertel.
Tradition trifft auf Moderne. Gyeongbokgung-Palast im Herzen der Stadt.
Für den König.
Ein Strand an der Westküste...
...dort war ich spontan eine Woche nach meiner Ankunft.
Drei originale Teile der Berliner Mauer mit einem Grußwort der Stadt Berlin. Deutsche Geschichte berührt koreanischen Alltag.
Eine der extrem vielen Werbungen für Schönheitsoperationen.
Die plastische Chirurgie Koreas scheint der Leuchttafel nach an Hexerei zu grenzen.
Welche Kaffee-Kette wird das wohl sein?! ^^
So wird die Hochhausfassade bei Nacht zur Leinwand.
ein bisschen Seoul vom Namsan-Berg aus.
Der Namsan-Tower... hinter traditioneller Baukunst.

Das perfekte Frühstück nach einer Nacht mit Norebang (Karaoke), Soju (Schnaps) und Jjimjilbang (Sauna).

Snowboarden bei Mondschein. An die Trennung von Ski- und Snowboardfahrern hat sich niemand gehalten.

Leckaaaa!

Mein neues Lieblingscafé im Studentenviertel Hongdae.

Montag - Freitag. Von 9-13 Uhr.

Royale Kleidung vergangener Jahrhunderte.


Teil der alten Verteidigungsanlage der Stadt Suwon.
Ich mag an diesem Bild vorallem die Farben.

Nicht der einzige Gottesdienstsaal im 8. stöckigen Gebäude der Kirche, die ich refgelmäßig besuche.


Atemberaubend schön! Eine Grünteefarm im Süden des Landes.
Liebe Grüße. Euer Jonathan.





Ps.: Das Musikvideo darf natürlich nicht fehlen. Diesmal "Girls' Generation", diese 9 köpfige Girlgroup ist der Traum aller koreanischen Männer. Nicht ganz so billig wie die amerikanischen Pussy Cat Dolls, aber vermutlich nicht weniger berechnend. Welche von denen ich am besten finde, werde ich häufig gefragt. "Äh, wahrscheinlich diese eine da... die da so tanzt und singt... oder war es die andere, die dahinten links auch so singt und rumtanzt? Nein, jetzt weiß ichs. Es ist die, die haargenauso aussieht wie alle anderen da!" ... haargenauso schön, versteht sich.



Mittwoch, 24. November 2010

Die Brüder im Norden

Nur die Kampfflugzeuge am abendlichen Horizont und die Soldaten in Uniform, die einem fast täglich irgendwo über den Weg laufen, erinnerten mich bis jetzt daran, dass mein Auslandssemester in einem Land stattfindet, das sich im Kriegszustand befindet. Gestern allerdings wurde mir die politische Situation Koreas mehr denn je bewusst.

Die Fahrstuhltür öffnet sich. Seungyong und ich betreten ein Cafe im 6. Stock. Wir sind in Hongdae, dem Künstler- und Partyviertel Seouls. Zuvor hatten wir in einem Restaurant Grillfleisch gegessen und waren durch die Straßen geschlendert. Jetzt treffen wir Seungyongs Freundin, die gerade Kaffee mit einer Bekannten trinkt. Das Cafe ist extravagant eingerichtet. Die Fenster sind riesig und haben individuelle Formen; man hat einen guten Blick auf die Stadt, in der die Sonne bereits untergegangen ist. Wir setzen uns unter eine überdimensionale Papierlampe neben die Mädels in bequeme Sessel und bestellen unseren Kaffee. Nach dem üblichen Smalltalk auf Konglish fragt Seungyong die Damen, ob sie Neues vom Angriff wüssten. Welcher Angriff? Sie wussten von nichts.

Seungyong erklärt, was er mir bereits erzählt hatte: Nach einem südkoreanischen Militärmanöver auf See, dicht an der nordkoreanischen Grenze, wurde am Nachmittag von Nordkorea aus eine südkoreanische Insel bombardiert.
Auf dem Weg zum Cafe waren wir vor einem Fernseher im Schaufenster stehen geblieben und hatten viele dicke Nebelschwaden von einer kleinen Insel aufsteigen sehen. Telefon und Internet funktionieren dort nicht mehr. Man weiß von 2 Toten und mehreren Verletzten.
Die Mädels sind geschockt. Schon wieder. Und dieses Mal so heftig.
Im letzten Frühjahr war ein südkoreanisches U-Boot versenkt worden. Damals – ich war ja noch Deutschland – nahmen meine koreanische Freunde den Vorfall mit Bedauern wahr, blieben aber viel gelassener als die Journalisten internationaler Medien: das passiert halt immer wieder.
Dieses Mal, betonten alle, ist es anders als sonst. Während der U-Boot Vorfall immer noch nicht einwandfrei aufgeklärt ist, war dies ein offener Angriff ohne jeden Grund.
Ja, man sei dicht an Nordkorea herangefahren, hätte aber weder die Grenze überschritten noch die Schussübungen Richtung Norden abgefeuert. Nordkorea spricht von Verteidigung.

Inzwischen hat Seungyong eine kleine Fernsehantenne an seinem Handy ausgeklappt und einen Nachrichtensender angeschaltet. Alle atmen auf. Die Lage scheint sich zu beruhigen. Die südkoreanische Regierung wolle sich nicht provozieren lassen und bemühe sich um Deeskalation. Nordkorea habe inzwischen verlautet, sie hofften auf bessere Kommunikation in der Zukunft und forderten mehr humanitäre Hilfe für ihre Bevölkerung.

Einer der zwei getöteten Soldaten war Student an meiner Uni gewesen. Er hatte eigentlich einen Tag zuvor Dienstende gehabt, konnte aber wegen schlechten Wetters die Insel nicht verlassen. Seine Abreise nach Hause wurde also auf den nächsten Tag verschoben; den Tag, an dem die Insel nordkoreanischen Bombenhagel aushalten sollte. Das kling wie aus einem schlechten Film und ist leider Wirklichkeit.

Angesichts solcher Nachrichten ist es nachvollziehbar, dass viele junge Koreaner kein Interesse an einer Wiedervereinigung haben. Für sie ist Nordkorea seit Geburt schon immer ein fremdes Land gewesen. Wegen diesem Land müssen alle Männer 2 Jahre zum Wehrdienst und noch lange danach einmal jährlich in Soldatenmontur zum Militärtraining erscheinen. Wegen diesem fremden Land sterben jedes Jahr Menschen; Familienmitglieder, Freunde, Kollegen.
Ich habe mich hier schon oft über den Konflikt unterhalten. Es gibt so viele unterschiedliche Meinungen wie Menschen. Manche hoffen schon noch irgendwie auf eine Wiedervereinigung, anderen ist es egal, wieder andere wünschen allen Nordkoreanern die Pest an den Hals. Angst im Alltag hat hier aber niemand. Manche nennen es eine Volkskrankheit: man ist zwar permanent im Krieg, hat aber die Fähigkeit verloren das wahrzunehmen. Wie sollte man auch sonst leben können.

Als ich im Sommer die Fußballweltmeisterschaft verfolgte, überraschte mich die Aussage eines südkoreanischen Journalisten, als er gefragt wurde, ob er sich die Spiele von Nordkorea anschaue. Er antwortete: „Die politische Situation unserer Länder ist so angespannt, wie lange nicht mehr. Aber natürlich sehe ich die Spiele Nordkoreas und feuere die Mannschaft an. Das sind doch unsere Brüder aus dem Norden.“

Auch ich halte eine Wiedervereinigung Koreas für immer unwahrscheinlicher. Zu verfahren erscheint der politische Konflikt. Zu tief sind auch die emotionalen Verletzungen, die mit jedem Todesopfer tiefer werden.
Trotzdem sind vielleicht gerade die Deutschen Menschen, die nicht aufhören können auf eine Wende zu hoffen. Sicher, der Koreakonflikt ist scheinbar von anderem Kaliber als die deutsche Vergangenheit mit der DDR. Aber auch meine Eltern erzählen, für wie unmöglich sie ein vereinigtes Deutschland gehalten hatten und wie sehr sie noch heute staunen, dass das möglich wurde. Es gibt kein Patenrezept und Schönwettersprüche aus dem Poesiealbum helfen niemandem. Aber gerade als Deutscher kann ich letztendlich doch nicht aufhören zu hoffen.
Ich habe mich gefreut, als ich mitten in Seoul auf drei originale Teile der Berliner Mauer stieß. Vor ihnen auf dem Boden, ist ein Grußwort der Stadt Berlin eingraviert.

Nochmal deutlich, falls sich jemand Sorgen macht: mir geht es gut und ich fühle mich sicher.

Dieses Mal gibt’s keinen spannenden Musikclip, aber dafür ein extrem schmalziges Lied, das mir in einem Café in Incheon aufgefallen ist: eine typische koreanische Ballade mit leichtem Weihnachtstouch. Es ist nicht gerade neu, aber irgendwie gefällt es mir und der Titel passt zum Jetzt: „ich warte“. In Deutschland beginnt der Advent und man wartet auf Weihnachten. In Korea wartet man auf Frieden.




Liebe Grüße,
Jonathan

Mittwoch, 10. November 2010

ein Traum von Essen und Musik auf Chinesisch

Koreanisches Essen ist wirklich lecker. Jede Mahlzeit ist warm und besteht aus Reis, einer Suppe, einem Hauptgericht und einigen Beilagen. Mindestens eins dieser Dinge ist immer scharf. Meistens hält sich die Schärfe allerdings in Grenzen... jedenfalls hat mich nach einem kleinen Training in Deutschland noch keine Mahlzeit hier zum Feuerlöscher getrieben. Am coolsten sind die unzähligen kleinen Restaurants, die es hier überall gibt. Oft muss man die Schuhe am Eingang ausziehen und sitzt auf dem Boden an niedrigen Tischen. Viele Gerichte werden in der Küche vorbereitet, aber letztendlich erst auf kleinen Gaskochern oder Grills direkt am Esstisch zubereitet. Dank der vielen Beilagen, kann man auch geduldig warten, bis das Fleisch auf dem Grill saftig-gold gebrutzelt ist. Mit einer handelsüblichen Schere wird es kleingeschnitten und dann schiebt es sich zusammen mit Salat, Gemüse und Soßen mithilfe von Essstäbchen in den Mund.
Ich glaube dieses Essen ist im allgemeinen sehr gesund: immer Reis, Gemüse und mageres Fleisch. Nur zum Frühstück würde ich die scharfe Suppe gerne mal gegen ein Nutellatoast eintauschen. Abgesehen davon ist das Essen allgemein sehr günstig. In den meisten Restaurants kann man sich für 3-5 € locker satt essen und trinken. Stilles Wasser gibt es wirklich in jedem Gebäude dieses Landes umsonst. Überall stehen Wasserspender, an denen man sich kaltes und heißes Wasser gratis abzapfen kann.
Mensaessen ist schmeckt übrigens auch hier nach Mensa... halt nur auf Koreanisch.

Unimäßig ist inzwischen das meiste normaler Alltag geworden. Der erste Sprachkurs geht schon nächste Woche zu ende. In der Abschlussklausur muss ich mindestens 80% schaffen, um in den 2. Kurs zu dürfen. Über den üblichen Smalltalk mit Standardgesprächsverläufen geht mein Koreanisch leider noch nicht hinaus. Immerhin habe ich beim Sprachkursinternen Poem-Contest den ersten Platz bei den Anfängern gemacht. Das vorgegebene Thema war „Traum“. Wir Beginner kannten bis zu dem Tag nicht einmal das koreanische Wort für Traum. Egal. Um ein Gedicht mit Reimen hinzubekommen, reihte ich einfach eine Mischung aus Phantasielauten und passenden, einsilbigen Wörtern aneinander, die sanft fallenden Schnee symbolisieren sollten. Am Ende jeder Strophe gab es immerhin einen vollständigen koreanischen Satz, der sich auf die vorherigen Laute zwar jeweils nur unrein reimte aber dem Gedicht immerhin eine Art Sinn gab. Mit den Worten: „Ich gehe ins Bett. Ich möchte träumen.“ schloss ich das Gedicht ab. Als Preis dafür bekam ich Buntstifte made in Germany.

Manche der übrigen Kurse, auf die ich mich im Vorfeld gefreut hatte, konnte ich leider nicht belegen, weil sie dann doch nicht, wie eigentlich angekündigt, auf Englisch stattfinden. Auch das Heft mit dem vielversprechenden Titel „International Student's Guide“ entpuppte sich als wenig hilfreich: Abgesehen vom Titel ist im Heft selber kein Wort Englisch mehr zu finden. Studenten, die schon 2 oder 3 Semester an dieser Uni Koreanisch studieren, können sicher mehr Informationen daraus ziehen... wenn sie dann noch so einen Guide brauchen. Auch das zweite Orientationmeeting zur Einführung der neuen Austauschstudenten brachte mir wenig Erkenntnisse. Nachdem eine Polizistin und andere Menschen in Anzügen lange Monologe auf Chinesisch gehalten hatten, fragte meine Sitznachbarin – die mittlerweile aufgegeben hatte spontan simultan für mich zu übersetzen – ob diese Infos auch noch auf Englisch vorgetragen würden. Die Antwort war: Nein, sorry. Die meisten Austauschstudenten hier sind halt Chinesen. Später, während dieser 1,5 stündigen Veranstaltung auf Mandarin raunte mir ein Mitarbeiter des International Office zu: „Wenn du noch Fragen hast, kannst du nachher auf mich zukommen.“ Aber welche Fragen sollte ich schon haben. Ich wusste ja nicht einmal worum es ging. Da die Chinesen hinterher einstimmig meinten, dass es sehr sehr langweilig gewesen sei, sahen meine Kameraden aus Laos, Thailand und ich davon ab, genauere Infos einzuholen.
Abgesehen ist die Uni sehr bemüht, den Austauschstudenten eine schöne Zeit zu ermöglichen. Nach diesem Chinesisch-Meeting wurden wir zum Essen in ein Restaurant eingeladen. Es gab schon mehrere Tages, bzw. Wochenendtrips.
Überall auf dem schönen Campus mit vielen den Springbrunnen, Wasserfällen und Grünanlagen hängen Lautsprecher über die täglich zu bestimmten Zeiten eine Art Uni Radio läuft. Neben klassischer Musik höre ich so auch jeden Tag koreanische Popmusik, die mich über den Campus begleitet. Klassische Musik hört man hier im öffentlich Leben übrigens viel häufiger, als in Deutschland. Auf Toiletten, in Restaurants, in Cafes, ja eben auch an meiner Uni werden Mozart, Beethoven und Co zum Besten gegeben.

Wo wir schon längst beim Thema Musik wären. Diesmal stelle ich euch die eher unbekannte Indieband „10cm“ vor. 10 cm misst angeblich den Größenunterschied dieses Akustikduos. Im hier geposteten Song besingen sie den beliebtesten Kaffee der Koreaner: Den Americano. In Deutschland ist die Mischung aus Espresso und heißem Wasser nicht so beliebt oder? Jedenfalls ist es hier meistens die günstigste Kaffeevariante bei den vielen, eher teuren Kaffeeketten.
(Für die Texte der in diesem Blog vorgestellten Lieder übernehme ich übrigens keine Haftung, weil ich sie kaum verstehe. Eine Koreanerin meinte mal zu mir, im Americano Lied ginge es darum, dass Männer Americano trinken, nachdem sie etwas böses gemacht haben. Hm, kein Plan.)
„Americano joha.“-„Ich mag Americano.“, ist fast alles, was ich euch aus diesem Song übersetzen kann. So viel steht bis jetzt fest: 10cm joah!



Liebe Grüße,
euer Jonathan