Dienstag, 8. März 2011

Kontraste


Es ist vollbracht! Der zweite Sprachkurs ist abgeschlossen und bestanden. Mein Koreanisch lässt trotzdem immer noch sehr zu wünschen übrig. Für einen Smalltalk und zum Einkaufen reicht es. Für interessante Unterhaltungen, die den Themenhorizont von Essen und Wetter überschreiten, muss ich leider teilweise bis ganz aufs Englisch zurückgreifen.

Da mit dem Tag der Abschlusszeremonie mein Visum auslief, ich aber bis Mitte März in Korea bleiben wollte, bot sich die praktische Gelegenheit per Billigflug meine Freunde auf den Philippinen zu besuchen.
Die stickige Hitze, die chaotischen Straßen, die Palmen und die vielen, vielen Menschen waren plötzlich wieder so plastisch und lebendig, dass mich die Eindrücke aufs Neue überraschten. Trotzdem fühlte es sich an, als würde ich in meine Heimat zurückkehren und ich fragte mich, ob es wirklich schon 5 Jahre her sein konnte, dass ich dort meinen Zivildienst in einem Kinderheim absolviert hatte. Ich hatte eine wirklich gute Zeit dort und es war toll sehen zu können, was in der Zwischenzeit aus den Kindern geworden ist. Ich stelle fest: Viele haben sich echt super gemacht!

Nach knapp zwei Wochen Manila, Kinderheim und Trauminsel bin ich jetzt wieder zurück in Seoul. Wow: Von 33 Grad nach nur 3 Stunden Flug auf 2 Grad abgestürzt. Der krasse Kontrast zwischen Manila und Seoul macht mir die jeweiligen Eigenheiten der Städte noch besser bewusst. Von Deutschland aus gesehen ist beides halt irgendwo in Asien und scheint mehr oder weniger das Gleiche zu sein. Im direkten Vergleich kommt es mir allerdings vor, als hätte ich zwei unterschiedliche Planeten bereist.
Manila: Arm und Reich, keine Mittelschicht. Slums und Luxusmalls reihen sich abwechselnd dicht an dicht. Die Menschen sind aufgeschlossen und relaxt. Aber nicht jedem kann man trauen. Selbst wenn man sich bemüht auf Tagalog mit den Bewohnern Manilas zu sprechen, ist man nicht davor gefeit, übers Ohr gehauen zu werden.
Seoul: Apartmenthäuser, Apartmenthäuser, Apartmenthäuser, Cafés und Malls. Jeder hier scheint unglaublich beschäftigt zu sein. Viele Koreaner erzählen mir von sich aus, dass ihnen die gesellschaftlichen Erwartungen, sehr gebildet, sehr reich und sehr schön zu sein, einfach zu viel sind. Ausländer werden in der Regel höflich ignoriert; wenn man es allerdings irgendwie schafft, Aufmerksamkeit zu erlangen, wird einem meistens weitergeholfen. Wenn ich von öffentlichen Handyaufladestationen an der Uni und in U-Bahnstationen erzähle, an denen man tatsächlich Handys unbeaufsichtigt eingesteckt sieht, dann muss ich wohl nicht noch erwähnen, dass dieses Land sehr sicher ist. Mal abgesehen von der Außen- (oder Innen-?) politischen Situation.
Mitte der 60-er Jahre war in Korea der Krieg gerade vorbei und die Philippinen waren gerade erst ein eigenständiger Staat geworden. Beide Länder waren wirtschaftlich auf ähnlichem Level: unterstes Level. Ich frage mich, woran es liegt, dass Korea so kometenhaft aufsteigen konnte und auf den Philippinen immer noch viele Menschen verhungern oder in Slums dahin vegetieren.
Liegt es am Zusammenhalt und Fleiß der koreanischen Bürger, dass sie heute mit KIA, LG und Samsung weltbekannte Produkte auch in Deutschland erfolgreich verkaufen? Angesichts über 70.000 Straßenkindern alleine in Manila, fragt man sich tatsächlich, ob sich die philippinische Gesellschaft als Einheit versteht. 
Manche Koreaner fragen sich, ob ihr Reichtum den enormen Leistungsdruck und Stress rechtfertigt.
Und wo stehen die Deutschen? Die Schere zwischen Ober- und Unterschicht wird größer. Eine Gesellschaft die Hand Hand für ihr Wohl und zur Hilfe Schwächerer leben kann und will hat man seit Ende der Nachkriegszeit nicht mehr gesehen. Hoffnungsvoll beschwören manche das Hochgefühl zu Fußballweltmeisterschaften.

Aber zurück zu Korea, denn noch bin ich ja hier. Zu Weihnachten habe ich mir eine alte Spiegelreflexkamera zugelegt. Ich bin ganz begeistert von meiner Minolta, die nicht digital, sondern auf Film festhält, was mir hier ins Auge springt. Hier, ein paar Eindrücke:

Seoul steht dran...
Seoul ist drin,
Wolkenkratzer...
... und Apartmenthäuser.
Das Studentenwohnheim. Hier habe ich gewohnt.
An der Grenze zu Nordkorea.Voll mit Hoffnungen und Wünschen für alte Freunde.
Nordkorea aus der Ferne.
Blick auf die Brüder im Norden.
Die Insel Jeju. Das Hawaii Koreas.
Noch schöner als Jeju: Woo-do. Eine kleine Nachbarinsel.
Vulkangestein und Meer.
Sieht aus wie Sommer, war aber im Winter... frühlingshafter Winter.

Nach Bildern von Korea natürlich noch Musik aus Korea. Diesmal ein schön relaxtes Stück, wie man es oft in Cafes hört. Es ist wohl schon etwas älter, aber nach wie vor noch sehr beliebt. Die Band Rollercoaster gibt "Love Virus" zum Besten.



Viele Grüße... einmal schreibe ich noch.
Jonathan

Kommentare:

  1. Hallo Jonathan,
    mein Name ist Christian Rhode, ich bin Redakteur bei www.auslandszeit.de, einem Info-Portal zum Thema „Auslandsaufenthalte“. Wir informieren junge Menschen über Work & Travel, Freiwilligenarbeit, Auslandspraktika, etc. und helfen ihnen dabei, die passende Auslandszeit zu finden. Dabei arbeiten wir regelmäßig mit Blogbetreibern und Webmastern zusammen, die sich selbst gerade im Ausland befinden oder schon einen Auslandsaufenthalt absolviert haben. So sind wir auch auf dieses Blog gestoßen. Wenn dir auslandszeit.de gefällt und du Lust hast, bei uns mitzumachen, schreib einfach eine Mail an christian@auslandszeit.de, oder schau auf unserer Facebook-Seite ( www.facebook.com/auslandszeit ) vorbei!
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  2. Hey Jonathan, wie gehts dir und wie ist die Situation in Südkorea in Bezug auf Japan? Bekommt man dort viel mit? Hier in D ist man sehr geschockt. Ich hoffe, dir geht es gut?!
    Ich lese deine Beiträge echt gern. Den letzten fand ich besonders interessant. Ich wusste gar nicht, dass SKorea und die Philippinen zeitlich eine so ähnliche Gründungsgeschichte haben. Schreib doch mal was über die Entstehung Skoreas und wie das alles mit NKorea überhaupt so kam - da hat man nur ganz dunkel etwas aus dem GeschichtsLK im Hinterkopf - aber nichts genaues weiß man nicht... bzw. nicht was über das allgemeinwissen so hinausgeht.
    Wann bist du denn zurück in der Heimat?
    Hoffe, dich dann mal wieder zu hören...
    Bis dahin alles Liebe und gute letzte Tage in Korea und eine gute Heimreise.

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