Posts mit dem Label Korea werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Korea werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 10. November 2010

ein Traum von Essen und Musik auf Chinesisch

Koreanisches Essen ist wirklich lecker. Jede Mahlzeit ist warm und besteht aus Reis, einer Suppe, einem Hauptgericht und einigen Beilagen. Mindestens eins dieser Dinge ist immer scharf. Meistens hält sich die Schärfe allerdings in Grenzen... jedenfalls hat mich nach einem kleinen Training in Deutschland noch keine Mahlzeit hier zum Feuerlöscher getrieben. Am coolsten sind die unzähligen kleinen Restaurants, die es hier überall gibt. Oft muss man die Schuhe am Eingang ausziehen und sitzt auf dem Boden an niedrigen Tischen. Viele Gerichte werden in der Küche vorbereitet, aber letztendlich erst auf kleinen Gaskochern oder Grills direkt am Esstisch zubereitet. Dank der vielen Beilagen, kann man auch geduldig warten, bis das Fleisch auf dem Grill saftig-gold gebrutzelt ist. Mit einer handelsüblichen Schere wird es kleingeschnitten und dann schiebt es sich zusammen mit Salat, Gemüse und Soßen mithilfe von Essstäbchen in den Mund.
Ich glaube dieses Essen ist im allgemeinen sehr gesund: immer Reis, Gemüse und mageres Fleisch. Nur zum Frühstück würde ich die scharfe Suppe gerne mal gegen ein Nutellatoast eintauschen. Abgesehen davon ist das Essen allgemein sehr günstig. In den meisten Restaurants kann man sich für 3-5 € locker satt essen und trinken. Stilles Wasser gibt es wirklich in jedem Gebäude dieses Landes umsonst. Überall stehen Wasserspender, an denen man sich kaltes und heißes Wasser gratis abzapfen kann.
Mensaessen ist schmeckt übrigens auch hier nach Mensa... halt nur auf Koreanisch.

Unimäßig ist inzwischen das meiste normaler Alltag geworden. Der erste Sprachkurs geht schon nächste Woche zu ende. In der Abschlussklausur muss ich mindestens 80% schaffen, um in den 2. Kurs zu dürfen. Über den üblichen Smalltalk mit Standardgesprächsverläufen geht mein Koreanisch leider noch nicht hinaus. Immerhin habe ich beim Sprachkursinternen Poem-Contest den ersten Platz bei den Anfängern gemacht. Das vorgegebene Thema war „Traum“. Wir Beginner kannten bis zu dem Tag nicht einmal das koreanische Wort für Traum. Egal. Um ein Gedicht mit Reimen hinzubekommen, reihte ich einfach eine Mischung aus Phantasielauten und passenden, einsilbigen Wörtern aneinander, die sanft fallenden Schnee symbolisieren sollten. Am Ende jeder Strophe gab es immerhin einen vollständigen koreanischen Satz, der sich auf die vorherigen Laute zwar jeweils nur unrein reimte aber dem Gedicht immerhin eine Art Sinn gab. Mit den Worten: „Ich gehe ins Bett. Ich möchte träumen.“ schloss ich das Gedicht ab. Als Preis dafür bekam ich Buntstifte made in Germany.

Manche der übrigen Kurse, auf die ich mich im Vorfeld gefreut hatte, konnte ich leider nicht belegen, weil sie dann doch nicht, wie eigentlich angekündigt, auf Englisch stattfinden. Auch das Heft mit dem vielversprechenden Titel „International Student's Guide“ entpuppte sich als wenig hilfreich: Abgesehen vom Titel ist im Heft selber kein Wort Englisch mehr zu finden. Studenten, die schon 2 oder 3 Semester an dieser Uni Koreanisch studieren, können sicher mehr Informationen daraus ziehen... wenn sie dann noch so einen Guide brauchen. Auch das zweite Orientationmeeting zur Einführung der neuen Austauschstudenten brachte mir wenig Erkenntnisse. Nachdem eine Polizistin und andere Menschen in Anzügen lange Monologe auf Chinesisch gehalten hatten, fragte meine Sitznachbarin – die mittlerweile aufgegeben hatte spontan simultan für mich zu übersetzen – ob diese Infos auch noch auf Englisch vorgetragen würden. Die Antwort war: Nein, sorry. Die meisten Austauschstudenten hier sind halt Chinesen. Später, während dieser 1,5 stündigen Veranstaltung auf Mandarin raunte mir ein Mitarbeiter des International Office zu: „Wenn du noch Fragen hast, kannst du nachher auf mich zukommen.“ Aber welche Fragen sollte ich schon haben. Ich wusste ja nicht einmal worum es ging. Da die Chinesen hinterher einstimmig meinten, dass es sehr sehr langweilig gewesen sei, sahen meine Kameraden aus Laos, Thailand und ich davon ab, genauere Infos einzuholen.
Abgesehen ist die Uni sehr bemüht, den Austauschstudenten eine schöne Zeit zu ermöglichen. Nach diesem Chinesisch-Meeting wurden wir zum Essen in ein Restaurant eingeladen. Es gab schon mehrere Tages, bzw. Wochenendtrips.
Überall auf dem schönen Campus mit vielen den Springbrunnen, Wasserfällen und Grünanlagen hängen Lautsprecher über die täglich zu bestimmten Zeiten eine Art Uni Radio läuft. Neben klassischer Musik höre ich so auch jeden Tag koreanische Popmusik, die mich über den Campus begleitet. Klassische Musik hört man hier im öffentlich Leben übrigens viel häufiger, als in Deutschland. Auf Toiletten, in Restaurants, in Cafes, ja eben auch an meiner Uni werden Mozart, Beethoven und Co zum Besten gegeben.

Wo wir schon längst beim Thema Musik wären. Diesmal stelle ich euch die eher unbekannte Indieband „10cm“ vor. 10 cm misst angeblich den Größenunterschied dieses Akustikduos. Im hier geposteten Song besingen sie den beliebtesten Kaffee der Koreaner: Den Americano. In Deutschland ist die Mischung aus Espresso und heißem Wasser nicht so beliebt oder? Jedenfalls ist es hier meistens die günstigste Kaffeevariante bei den vielen, eher teuren Kaffeeketten.
(Für die Texte der in diesem Blog vorgestellten Lieder übernehme ich übrigens keine Haftung, weil ich sie kaum verstehe. Eine Koreanerin meinte mal zu mir, im Americano Lied ginge es darum, dass Männer Americano trinken, nachdem sie etwas böses gemacht haben. Hm, kein Plan.)
„Americano joha.“-„Ich mag Americano.“, ist fast alles, was ich euch aus diesem Song übersetzen kann. So viel steht bis jetzt fest: 10cm joah!



Liebe Grüße,
euer Jonathan

Mittwoch, 22. September 2010

가 갸 거 겨 고 교 구 규 그 기

다 댜 더 ... 쮸 쯔 찌.
Damit fing mein Koreanischunterricht letzte Woche an. Weil ich im Anfängerkurs bin, lernten wir natürlich erstmal Lesen und Schreiben. Man fühlt sich echt ein bisschen wie in die erste Klasse versetzt. Klingt komisch, ist aber auch ganz nett. Der Kurs ist 5 mal die Woche von 9-13 Uhr. Nur, weil ich das koreanische Alphabet halt schon einigermaßen beherrsche, war manches sehr langweilig und anstrengend zu gleich. Die oben abgebildeten Zeichen sind eine Schreib- und Leseaufgabe. Man kombiniert der Reihe nach alle Konsonanten mit allen Vokalen. Das ergibt dann (in der Regel) keine Wörter sondern einfach nur theoretische Laute der Sprache. Wir mussten diese Tabelle x mal aufschreiben und alles im Chor aufsagen.
Meine Klasse besteht vor allem aus Chinesen, es sind aber auch Hongkongchinesen, Mongolen, jemand aus Bangladesch und einer aus Laos dabei. Die sind wirklich alle nett! Interessant ist, dass meine Klassenkameraden sofort wussten, wenn sie etwas nachsprechen sollten. Vermutlich hatte die Lehrerin irgendein Zeichen dazu gegeben. Wie aus der Pistole geschossen ahmten die asiatischen Schüler die Laute der Lehrerin laut und gelehrig nach. Die Lehrerin gibt alles im Unterricht. Sie ist ein bisschen älter, aber echt ganz cool und freundlich. Nur die Tatsache, dass sie fast kein Englisch spricht, macht mir in Hinblick auf komplizierte Grammatiken ein bisschen Sorgen (viele meiner asiatischen Klassenkameraden meinen allerdings, dass die Lehrerin aus rein didaktischen Gründen bewusst kaum Englisch redet...). Als erste Hausaufgabe mussten wir die Lautkombinationen 10 mal aufmalen. Das sind über 1000 Kombinationen. Plus 20 Vokabeln, die wir lernen und auch 10 mal notieren sollten. Ich habe diese Lauttabelle nur neun mal abgeschrieben. Die drei Sterne-Sticker für gutgemachte Hausaufgaben habe ich trotzdem bekommen.

Diese Woche feiern die Koreaner Chuseok, das Erntedankfest. Es ist der wichtigste Feiertag im Jahr. So voll und komplett, wie der Mond an diesem Tag ist, soll auch die Familie sein. Man kommt zusammen, feiert und gedenkt (je nach Religion mehr oder weniger intensiv) seiner Vorfahren. Wir haben also keinen Unterricht und ich war wieder jeden Tag in Seoul. Vergnügungspark Lotteworld (fast vollständig in einer riesigen Halle), Königspalast und Freunde treffen lautet das Kontrastprogramm. Manches mache ich mit anderen Austauschstudenten, anderes mit Koreanern und in Lotteworld waren wir mit einer gemischten Gruppe.

Lotte ist übrigens eine der vielen koreanischen Erfolgsmarken. Fast alles, was man sich vorstellen kann wird von dieser Firma vertrieben. Nahrungsmittel, Supermärkte, der Vergnügungspark, Wohnungen... Koreaner legen großen Wert auf Markenprodukte, ja auch bei Wohnungen. Das merkt man auch bei den Klamotten. Ich habe noch nie so viele Luis Vuitton Läden auf einem Haufen gesehen wie hier. Designerhandtaschen haben hier fast Eastpack-Charakter. Klar, sind in der U-Bahn sicher auch gute Fälschungen aus China dabei, aber die vielen Gucci-Boutiquen werden hier auch nicht einfach nur zur Deko rumstehen.
Die letzten Tage ist es hier deutlich kühler geworden. Trotzdem tragen viele Mädchen noch extrem kurze Röcke. Erstaunlich viele Jungs bevorzugen extrem enge Jeans. Wenn man in Korea von Skinny-Jeans spricht, dann sitzen diese Jeans sprichwörtlich wie eine zweite Haut; auch bei den Jungs. Dazu tragen sie dann Männer-Handtaschen; natürlich von Ralph Lauren.


Man lernt jetzt sehr schnell viele Leute kennen. Echt schade, dass ich nur ein halbes Jahr hier bin. Ich weiß jetzt schon, dass ich all den interessanten Menschen zeitlich und freundschaftstechnisch nicht gerecht werden kann. Über den Sprachkurs habe ich intensiven und täglichen Kontakt zu anderen Ausländern. Um nicht in der Parallelgesellschaft von Austauschstudenten zu versinken, achte ich darauf, auch immer wieder etwas mit Koreanern zu unternehmen. So bin ich irgendwie im Fußballclub der Uni gelandet. Es gibt unzählige Sport-, Hobby-, Musik-, Themen- und was-weiß-ich-nicht-alles Clubs an der Uni. Nächste Woche bin ich zum ersten Mal beim Fußballraining dabei. Die Mannschaftskameraden haben schon angekündigt extra für mich nach dem Training eine Begrüßungsparty steigen zu lassen. Mal gucken, ob sie sich nach der Chuseokwoche noch daran erinnern – oder ob sie nach dem Begutachten meiner Fußballfähigkeiten noch einen Grund zum Feiern haben...

Jetzt ist das Wetter wirklich schön! Frisch, aber nicht zu kalt, weil die Sonne scheint. Der Regen der letzten Tage ist vorbei. Nicht nur Koreaner, Asiaten allgemein scheinen immer einen Regenschirm dabei zu haben. Egal ob alt oder jung, Mann oder Frau. Sobald es zu tröpfeln anfängt, zücken alle ihren Schirm. Alle? Nicht ganz. Ein unbeugsamer Deutscher bevorzugt standhaft seine Kapuze. Allmählich wurde es aber wirklich nervig, immer erklären zu müssen, warum ich einen Regenschirm unpraktisch finde. Wenn ich die Vorteile einer Kapuze unterbreitete, wurde herzlich darüber gelacht und dann zog man mich unter den eigenen Regenschirm. Einmal kam sogar ein fremdes Mädel hinter mir her gerannt, als sie sah, dass ich im Regen nur mit Kapuze unterwegs war. Zu zweit unter einem kleinen Schirm zu laufen, ist fast so umständlich wie Dreibeinlaufen. Mädels kennenlernen hin oder her. Letztendlich habe ich aufgegeben und besitze inzwischen auch einen Regenschirm. Eigentlich brauche ich jetzt noch eine Handtasche, um ihn auch immer dabei haben zu können.

추석 잘 보내세요! Frohes Erntedankfest!

Jonathan